Nachwuchskräftemangel: Ursache und Wirkung

Aktualisiert: 4. Jan.

Warum junge Menschen sich nicht mehr frühzeitig festlegen und was das für Ihr Unternehmen bedeutet.


Erinnern Sie sich noch an den Tag Ihres Schulabschlusses? Wie war dieser Tag für Sie? Waren Sie stolz auf sich? Waren Sie hoffnungsfroh? Wussten Sie, was als Nächstes kommt? Hatten Sie bereits einen Ausbildungs- oder Studienplatz? Bei mir ist dieser Tag nun ein paar Jahre her. Meine Abiturfeier fand im Sommer 2013 statt. Ich war stolz, dass ich es bis dahin relativ mühelos geschafft hatte, aber hoffnungsfroh war ich definitiv nicht. Und das, obwohl ich wusste, was als Nächstes kommen würde. Mein Studienplatz für Molecular Life Science an der Uni Lübeck war mir sicher. Allen Menschen um mich herum war klar, dass ich meinen Weg einfach weiterhin so machen würde.


Im Dezember 2013 musste ich dann all diesen Menschen, die mit so einem tiefen Vertrauen und Gelassenheit auf mich und mein Leben schauten, beichten, dass sie sich in mir geirrt hatten. Dass ich mich geirrt hatte und dass ich die falsche Wahl getroffen hatte. Noch nie hatte ich mich so nutzlos gefühlt. Ich bin heute noch immer so dankbar, dass ich früh gemerkt hatte, dass mich ein Leben im Labor nicht glücklich machen würde. Dass ich nicht mehrere Semester weiterstudiert hatte, um es mir endlich einzugestehen. Auch wenn ich Naturwissenschaften liebe und bis heute ein wissbegieriger Mensch bin, würde mir in diesem Berufsfeld die kreative Komponente fehlen. Ich würde mich einfach nie vollständig fühlen.


Und ich bin bis heute dankbar, dass all die schlimmen Reaktionen, die ich mir ausgemalt hatte, von keiner einzigen Person in meinem Umfeld kam. Alle fanden meine Entscheidung absolut in Ordnung, den Satz „Du bist ja noch jung“, hörte ich so oft wie nie zuvor und glücklicherweise hatten alle Menschen noch immer dieses Urvertrauen, dass ich meinen Weg irgendwie machen würde. Und ich weiß, dass ich mich glücklich schätzen kann, ein solches Umfeld zu haben. Nur wenigen jungen Menschen wird heute so viel Verständnis entgegengebracht.



Ein Junger Mann schaut ernst in die Kamera und steht zwischen einem Vorhang aus Licht. Ein Sinnbild für den Nachwuchskräftemangel.
Entscheidungskrisen sind ein Faktor für den Nachwuchskräftemangel.

Dabei brauchen die Jungen Wilden heute mehr denn je jemanden, der sie versteht und sieht. Sich in seiner Jugend auszuprobieren, gehört zum Erwachsenwerden dazu. Aber wenn das Ausprobieren zum Alltag wird, kann das weitreichende Folgen mit sich bringen, die die gesamte Gesellschaft betreffen. Existenzkrisen werden durch immer unsozialere „Soziale Medien“ geschürt und treten immer häufiger und immer früher auf. Ein Trend und Ideal jagt das andere, wer dabei nicht mitmacht bleibt alleine. Wer dabei mitmacht, verliert sich in der Masse. Um sich aus diesem Dilemma zu befreien, bleibt nur noch die Rebellion, und auch hier können viele Junge Menschen heute kein Zeichen mehr setzen.


Während frühere Generationen in Zeiten voller Regeln und Normen lebten und gegen diese strengen Windmühlen rebellieren konnten, müssen die Jungen Wilden in der heutigen liberaleren Welt lange suchen, bis sie ein Windrädchen finden, gegen das sie in den Krieg ziehen können. Und während das Fehlen von Missständen, gegen die man rebellieren kann, nach einem Luxusproblem klingen mag, hat es ernste Folgen für junge Menschen. Da wichtige Entwicklungsphasen, in denen Werte, Moral, Entscheidungs- und Durchsetzungsfähigkeit weiter ausgebaut werden, nicht mehr in der realen Welt, sondern auf Instagram, TikTok und Snapchat gelebt werden. Den Jungen Wilden fehlt es an Erfahrungswerten, die sie für das gesamte Leben brauchen werden.


Und dieser Gedanke bringt uns zu der Problematik unseres Schulsystems. Dabei soll es nicht darum gehen, wie sinnvoll Gedichtinterpretationen wirklich sind (Ich persönlich hatte immer viel Freude am Interpretieren von Gedichten. Deshalb hatte ich im Abi auch Deutsch als Leistungskurs belegt). Aber es sollte uns die Möglichkeit geben, darüber nachzudenken, was im Bereich der Bildung aktuell noch fehlt. Unser Schulsystem ist sehr darauf ausgelegt, lineares und strukturelles Denken zu erlernen und anzuwenden. Während diese Art des Denkens in vielen Berufen und Tätigkeitsbereichen effektiv sein kann, blockiert es unsere Möglichkeiten in anderen Bereichen dafür umso mehr.


Eine Ergänzung des Lehrplanes umTransversale Kompetenzen, die ein kreatives Denken, ein Verständnis für sich und andere und vielseitige Problemlösungsansätze mit sich bringen, könnte Jungen Menschen schon früh helfen, in sich selbst gestärkt zu sein. Und dadurch sicher und selbstbewusst Entscheidungen zu treffen. Viele Jahre der Suche könnten durch die richtige Vorbereitung gespart und die Entscheidungsdepression der Generation Y und Z gelindert werden.


Für Unternehmer hätte diese Entwicklung den Vorteil, dass sie weniger Angst vor Fluktuation und Ausbildungsabbrüchen haben müssten. Aktuell ist der Nachwuchskräftemangel eine ernst zu nehmende Problematik, die in einigen Jahren einen ebenso problematischen Fachkräftemangel mit sich bringen wird. Denn wo keine Nachwuchskraft ist, kann auch keine Fachkraft ausgebildet werden. In den folgenden Berufsgruppen fehlen derzeit die meisten Auszubildenden, wie aus einer Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung aus dem Jahr 2020 hervorgeht [*]:



Studie zum Nachwuchskräftemangel in Ausbildungsberufen
Studie zum Nachwuchskräftemangel in Ausbildungsberufen.

Diese Zahlen und Prognosen sind beunruhigend. Daher haben wir von der Junge Wilde Academy es uns mit unserem Coachingangebot zur Aufgabe gemacht, Unternehmer, die Ihre Nachwuchskräfte fördern möchten, zu unterstützen. Und Jungen Menschen eben jene transversale Kompetenzen mit auf den Weg zu geben, die ihnen das Schulsystem aktuell noch nicht bieten kann. Damit die sie mit Motivation, Energie und Spaß in ihr Berufsleben starten können. Denn wir sind überzeugt davon, dass die Jungen Wilden noch immer die Zukunftsmacher sind - Sie brauchen nur manchmal jemanden, der den Funken in Ihnen weckt.




[*] Oeynhausen, S.; Milde, B.; Ulrich,J.; Flemming, S.; Granath, R-O (2020). Die Entwicklung des Ausbildungsmarktesim Jahr 2020. Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn.

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